Egon 500km Nürburgring

Als wir in der Mercedes-Arena ankamen war klar. So ein tolles Fahrerlager hatten wir noch nie. Gute Organisation, viele Stromgeneratoren, saubere Sanitäranlagen und vor allem eine super Sicht auf die Grand-Prix Strecke. Wir ließen und in der Nähe des „kleinen Castrol-S“ nieder. Nach dem wir unser Lager aufgeschlagen hatten begann es zu regnen. Pünktlich zum Corso am Abend klarte der Himmel auf und die fast 600 Wettbewerbsfahrzeuge samt Teams machten sich auf den Weg zu den Fans auf der Nordschleife.

 

Die Rundfahrt dauerte fast 2 Stunden und bis auf Schritttempo war bei den Massen an Zuschauern nicht möglich. Besonders fielen uns die vielen Opel Fans rund um den Ring auf. Viele erkannten unser Auto von Rallyes oder noch von 2004 und ließen sich auf ein kleines Gespräch mit unserem Teamchef und Fahrer Dieter Peters ein. Die Begeisterung von unserem Auto war den Menschen anzumerken. Ihr Wunsch an unser Team – das Auto heil ins Ziel zu bringen“! Besonders herzlich begrüßt wurden wir wieder im Wippermann – der Opelhochburg beim 24h Rennen. Soviel Begeisterung für eine Automarke ist fast nicht zu glauben, wenn man’s nicht selber erlebt hat!

Donnerstag – Training
Zum Frühstück Nebel – so hieß die Devise an diesem morgen. Man konnte kaum 100 Meter weit sehen. Auf Grund dieser Bedingungen wurde der Castrol-Haugg-Cup um ca. eine Stunde verschoben, so dass unser Training später stattfand. Wieder bei sonnigem Wetter gingen die 230 Fahrzeuge auf die Strecke um Ihre zwei oder mehr Qualifikationsrunden zu absolvieren. Mit dabei unser kleiner 1200er Opel. Nach nur einer Einführungsrunde und zwei Zeitrunden stellte Dieter Peters seinen Kadett ab mit dem Spruch „Das reicht! Wir wollen Material schonen. Außerdem haben einige Fahrer einen Nagel im Kopf!“ Diese Aussage erfolgte nach einer merkwürdigen Begegnung hinterm Pflanzgarten. „Ich sah nur den Golf hinter mir im Rückspiegel und dachte, der ist noch viel zu weit weg zum überholen, fuhr aber dennoch ganz Links. Dann sah ich nur noch den Golf in einer Staubwolke verschwinden. Nach dem Training sagte man mir, dass der in die Leitplanke eingeschlagen ist. Keine Ahnung was der da gemacht hat… Platz genug war da und wer im Geschlängel nach Pflanzgarten überholen will, ist selber schuld. Jeder weis, dass die Autos da enorm leicht werden…!“ so Dieter nach dem Training. Das zweite Zeittraining ließ man mit gutem Gewissen aus und bereitete sich auf das Rennen am anderen Morgen vor.

Freitag – Rennen
Der Tag des Rennens sollte unserem Team für immer in Erinnerung bleiben. Um 12.30 Uhr begaben sich 230 Fahrzeuge in die Startaufstellung. Bei anfänglich trockenem Wetter setzte Pünktlich zur Einführungsrunde der Regen ein. Nach dem unser Team in Box 33 Stellung bezogen hatte wurde das Rennen pünktlich gestartet. Schon nach 2 Runden die Meldung per Lautsprecher „Manager oder Teammitglied der Startnummer 7 in die Rennleitung!“ Dort angekommen bekamen wir eine Verwarnung mit der Begründung „Ihr seit zu laut!“ Man hätte unseren Kadett mit 133 Phon auf der Breitscheider Brücke gemessen. Angemessen der Tatsache, dass ein Jumbo beim Start gerade mal 125 Phon hat war das für unseren 60 PS Kadett’ ne hohe Leistung! Nach einer zweiten Messung widerrief die Rennleitung diese Verwarnung aber schnell wieder. Mehr Pech hatte da das Team Lederle aus Luxemburg, die mit 135 Phon disqualifiziert worden ist. Nach ca. 4 Runden dann wurde der Ausfall von Günther Fastenrath auf seinem Mini Cooper gemeldet. Da mal gegen die 80 PS starke Konkurrenz im Renngeschehen keine Chance hatte kam uns der Ausfall gelegen und somit waren wir auf Platz 3 in der Klasse bis 1300cm vorgerückt. Von da an wurde das Rennen kurios. Der Regen ließ nach und die Sonne trocknete die Strecke ab. Wir entschlossen uns auf Regenreifen draußen zu bleiben, was uns eine Menge Zeit ersparte. Nach der 5 Runde schon kam der Renault R12 vom Team Schmitt/Manheller an die Box, wo man eine ganze zeit Schrauben musste. Den Stopp folgten dann zwei Weitere. So befanden wir uns nach Halbzeit auf Platz 2 der Klasse wieder. Im Guten gewissen den 2. Platz in der Tasche zu haben wurde Runde für Runde absolviert. Dann der Schock – das Handy an der Box klingelt… „Ich stehe Breitscheider Brücke mit Lagerschaden!“ so Dieter. Kurz nach dem wir an einen Ausfall dachten klingelte das Handy erneut. „So ein Scheiß der Vater Lingen sitz hier auf der Leitplanke! Wir sind die einzigen die noch im Rennen sind. Sag bescheid wenn der Ludwig im Ziel ist dann versuche ich die Runde zu beenden!“ so Dieter zur Boxencrew. Pünktlich zum Rennende schleppe Dieter den 1200er in Richtung Ziel. Kurz hinterm “Tiergarten” ging dann der Motor aus. Mitten auf der Strecke stehend fasste Dieter den Entschluss den Kadett durch Ziel zu schieben. Zeitgleich traf die DMSB Staffel ein und wollte Dieter abschleppen, der sich jedoch weigerte. „Nix da! Es geht hier um den Klassensieg! Ich schiebe das Auto ins Ziel!!!“ Darauf die DMSB Staffel „Mach dir keine Sorgen das Rennen läuft noch wir ziehen dich nur aus dem Gefahrenbereich. Hinterm “Tiergarten” auf der Zielgeraden angekommen versuchte Dieter den Kadett erneut anzulassen, kein Erfolg… so wurde geschoben. Von der Box aus von diversen Teams angefeuert schob Dieter den Kadett in Richtung Ziellinie. Dann plötzlich erschein hinter ihm Jochen Schnuck, ein alter Bekannter aus der Rallyeszene, und setzte sich hinter den Kadett. Nach dem Dieter wieder einstieg gab der BMW dem Opel einen kräftigen Schubs der daraufhin noch mal ansprang und klappernd über die Ziellinie kroch. Nach dem Rennen wurde sich beim Kollegen bedankt der darauf hin sagte „Der BMW war eh Totalschaden und dann dachte ich das tut jetzt auch nicht mehr weh, warum soll man dem armen Kerl nicht helfen!“ Was keiner wusste, während der Schiebe-Aktion war Alex Schmitt mit seinem Renault wieder auf der Strecke und absolvierte am Ende eine Runde mehr als unser Team. Leider war damit der Klassensieg verpasst. Aber bei diesem Zieleinlauf freute man sich um so mehr über den 2. Platz in der Klasse. Am Abend bei der Siegerehrung dann die Überraschung. Eröffnet wurde die Ehrung mit dem 2.Platz der 1300er Klasse, den Dieter Peters belegte. Unter reichlich Applaus ging Dieter auf die Bühne und nahm seinen ersten Pokal beim Egon 500km-Rennen entgegen. Ohne Motorschaden wäre es der Klassensieg gewesen, das wussten alle, doch wie sagt man so schön „Ein Renne ist erst mit der Zielflagge beendet“. Nach einer Menge Freibier und einer tollen Siegerehrung im VIP Zelt auf dem Boxendach, wurde der Abend gegen Mitternacht beendet.

Samstag – 24 Stunden durch die Grüne Hölle
Wie sollte es anders sein wurde das 24h-Rennen ebenfalls mit enormen Regenmassen eröffnet. Schon während der Startaufstellung schüttete es wie aus Eimern. So beschloss man sich sofort auf die T4 zu setzen. Der richtige Entschluss, wie man zu Rennstart feststellte. Die Grauen Fronten nahmen kein Ende. Auf Grund der enormen Wassermassen wurden zwei Einführungsrunden gefahren. Gleich zum Start zeigte sich die Spitze Kampfbegeistert und zeigte ein verhalten wie bei einem Sprintrennen. Direkt in der ersten Schikane legte sich die Zakowski Viper mit dem Falken Nissan an und beide vielen zurück. Die ersten Runden über kämpften die beidem Schnitzer BMWs mit der Viper und dem Alzen-Porsche um die Spitze. Nach einigen Runden zeigten sich klare Strukturen ab und man beschloss auf Grund von eisigen Temperaturen den Rest auf dem Wohnmobil zu gucken – bei unserer tollen Lage des Fahrerlagers eine Wohltat. Am Morgen danach begab man sich Richtung Sanitäranlage und konnte auf der Megaleinwand den aktuellen Stand Nachverfolgen. Als es dann eine Unwetterwarnung mit Schnee gab beschloss man seine Sachen zu packen und Richtung Heimat aufzubrechen. Knapp 10 Minuten nach dem man die Busse beladen hatte fing es an zu Hageln, so was haben wir noch nicht erlebt.

Zuhause angekommen verfolgte man das Rennen im Fernsehen bis zum Ende. Dann der Knaller schlecht hin. Der Ford Focus von Dirk Kemp und Kuno Kuttenkeuler, dem wir feste die Daumen drückten war im TV. Man sah einen lässig winkenden Fahrer. Wir dachten noch „Wow der geht die letzten Runden aber ruhig an. Bis die Kamera aufzoomte und man sehen konnte wie der Focus von der DMBS Staffel abgeschleppt wurde. Schade!

Der nächste Einsatz wird die ADAC Rallye Warndt sein, dem 4 Meisterschaftslauf zur RallyeTROPHY

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